| 3 | |  Name: | adhs 02 anonym
(odyssey_82@hotmail.com)
| | Datum: | Do 22 Jan 2009 20:34:37 CET | | Betreff: | Therapie verändert etwas - noch stehe ich am Anfang | | | Hallo,
ich bin 26 Jahre alt, habe eine Vergangenheit, die sicher viel schlimmer sein könnte. Ich habe zwei liebevolle Eltern, eine wunderbare große Familie, das heißt: Tanten, Okels, eine Oma und noch ein Opa, einige Cousins und Cousinen. Die Freunde, die ich habe, sind "richtige" Freunde. Und ich habe ADS, höchstwahrscheinlich in der hypoaktiven Form, so genau hab ich da noch nicht nachgefragt und meine Therapie ist gerade am Anfang. Und nun studiere ich. Trotz ADS. Aber es gibt einen Grund, warum ich nicht geschrieben habe, dass meine Vergangenheit sehr angenehm war. Von klein auf ist da natürlich dieser Druck, den Eltern haben, wenn sie ihr Kind aufwachsen sehen. Jeder hat doch sicher seine Vorstellungen über die Zukunft des Kindes. Tja, meine Mutter vor allem hat oft nicht begreifen können, dass ich eben nicht so bin, wie andere Kinder. Dass ich meine Schuhe und auch meine Kleidung oft falsch angezogen habe, dass ich Schwierigkeiten hatte, mit Besteck umzugehen (sogar noch heute), ich war in der Schule oft abgelenkt - nicht in dem Sinne, dass ich nicht stillsitzen konnte, sondern abgelenkt in meiner Gedankenwelt. Andere Kinder (Jungs vor allem) bauten mit Bauklötzchen, ich saß manchmal einfach nur da und träumte vor mich hin. Können Sie sich vorstellen, dass ich so gut wie noch nie von einem Lehrer in einem wirklich ausgesprochen positiven Sinne beurteilt wurde - mal abgesehen von meinen Musiklehrern, weil ich nach Gehör Lieder auf dem Keyboard oder Klavier nachspielen kann. Zwei weitere Lehrer fallen mir ein, die sagten, dass ich ein toller Schüler wäre. Das war ein Deutschlehrer, der eben nicht meine Schwächen, sondern auch die Stärken sah, und eine Englischlehrerin, die zwar oft 3er oder 4er in meinem Zeugnis eintragen musste, aber mich irgendwie lobenswert empfunden hatte, vielleicht weil ich gerade so ruhig war. Viele andere sahen nur das "komische", das "verträumte", das "unlogische", das "unstrukturierte" in mir. Und sehr oft wurde gesagt, dass man nicht genau weiß, wie man mich einschätzen sollte. Kein Wunder, ich war ja immer nur da mit Gedanken, wenns interessant war, ansonsten war ich oft gedanklich abwesend, verträumt Erst kam ne Hauptschulempfehlung, auf einer Gesamtschule ne Realschulempfehlung und mit viel Glück schaffte ichs aufs Gymnasium. Alle, die dort jeweils das Sagen hatten, waren skeptisch, ob ich das "höhere" schaffen könnte. Immer wurde ich niedriger eingestuft, um sicher zu gehen, dass ich nicht überfordert war. Hauptschulempfehlung aus Angst vor Versagen auf der Realschule. Realschulempfehlung aus Angst vor Versagen im Gymnasium, und dann auf dem Gymnasium war auch mein Selbstbild so geknickt, dass ich gerade im ersten Schuljahr massive physische und psychische Probleme hatte: Bluthochdruck, Ängste, Selbstzweifel und so weiter.
Diese Selbstzweifel, aber auch Zweifel von anderen, was mich betrifft, die setzen sich bis heute fort. Bis ich etwa vor anderthalb Jahren erfuhr, dass ich ADS habe. Das war eine Erleichterung vor allem für meine Mutter, die mich ja nie verstehen konnte. Endlich war alles klar, und sie hörte mit Heulen nicht mehr auf. Es war auch eine Erleichterung für mich, endlich eine Erklärung zu haben. Doch meine "Verträumtheit", meine "Weltfremdheit" spielte dann auch mit eine Rolle, warum ich zum beispiel nicht schon damals mit einer Therapie anfing. Ich wollte, aber ich schaffte es irgendwie nicht, fragen Sie nicht, warum. Nebenbei: Vor vier Jahren etwa entdeckte ich auch das Spiel: World of Warcraft. In diesem Spiel konnte ich abschalten. Zwar erledigte ich alles außen rum, was nötig war, aber das war nicht viel: ich ging noch zur Arbeit, erledigte Hausaufgaben etc. Aber die Ablenkung von meinen vermeintlichen Schwächen kam erst mit dem Spielen von World of Warcraft. da war ich zwar nicht darauf bedacht, "der größte" zu sein. Aber ich konnte quasi in meiner Phantasiewelt eintauchen. Konnte träumen. Hatte Abstand von der Welt, die ich einfach nicht verstand, udn die auch mich nicht versteht. Oder es mit Humor nimmt: er ist halt so schusselig, dafür mag ich ihn so! Dass es mir damit nicht gerade besser ging, übersehen heute viele. . Aber in dem Spiel sah das niemand. In dem Spiel war es nicht direkt sichtbar, wenn ich kurz abgelenkt war, wenn ich mal den Faden verlor. Ich konnte es ja alles im Spiel-Chat nachlesen. World of Warcraft war MEIN HYPERFOKUS, der mein Interesse hielt. Nachdem ich nun ihren Film auf ARD gesehen habe, verstehe ich auch, wie das möglich ist: wenn das Spiel tatsächlich im Gehirn Eindrücke vermittelt, die so real sind, wie das "echte" Leben, dann ist das natürlich ein unglaublicher Reiz, gerade für Menschen mit ADS. Zwar habe ich nie den Blick für meine "echte" Welt ganz aus den Augen verloren. Aber die Sucht war da. Und auch dieses Spiel habe ich noch sehr intensiv vor wenigen Wochen bis Monaten gespielt. Ob ich davon ganz loskomme, weiß ich gar nicht mal. Aber eine Sache durfte ich nun erleben: ich habe vor einer Woche eine medikamentöse Therapie wegen meiner ADS angefangen. Zum ersten Mal in meinem Leben verstehe ich die Welt besser. Irgendwie kann ich Gesprächen folgen. Es gibt soviel, was ich vorher nicht konnte. Ich plane derzeit sehr vieles. Ich bin wacher. Und mich schaffen soziale Kontakte nicht mehr so, wie vor der Therapie. Und die Lust für das Spiel ist merklich geringer geworden. Mein Fokus wurde sehr schnell auf andere, kleinere Dinge gelenkt, beispielsweise Aufräumen, ordnen, mein Leben regeln, Anrufe machen, schwere Studium-Texte lesen. Es ist fast wie Zauberei, zum ersten Mal habe ich das Selbstbewusstsein zu sagen, dass ich es vielleicht wirklich schaffe, dass ich es schaffe, das Leben zu leben. Nach meinen Bedürfnissen. Ich habe das Gefühl, selbst etwas in die Hand nehmen zu können. Früher nahm man das mir immer ab.
Ich wünsche Ihnen alles weitere Gute und hoffe, der Eintrag war nicht zu lang. Passiert mir immer. Und ich hoffe, er war nicht zu durcheinander. Kriege das anders kaum geregelt ;-)
Grüße
M. | | | Antworten auf diesen Eintrag | Zeige Antworten auf diesen Eintrag
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| 2 | |  Name: | adhs 01 anonym
(unsbekannt@rollenspielsucht.de)
| | Datum: | Sa 17 Jan 2009 23:52:34 CET | | Betreff: | Bessere ADHS-Behandlung Alternative zu Beschränkungen bei Spielen | | | So, wie es scheint, ist ADHS eine genetisch veranlagte Störung, die hauptsächlich die Selbstkontrolle behindert. Man schafft es nicht, als angenehm empfundene, aber gerade unpassende Handlungen zu unterdrücken, auf der anderen Seite kann man (oder wenigstens ein Teil der ADHS-Patienten) sich schlecht oder nicht zu unangenehmen Aufgaben zwingen, besonders, wenn sie Konzentration erfordern.
Computerspiele (online oder lokal) kommen dieser schnellen Befriedigung von Bedürfnissen, ohne Zwang zur Selbstkontrolle, natürlich entgegen. Logisch, denn ein Spiel, das über lange Strecken langweilig ist, wo ein Erfolg erst nach langen, frustrierenden Zwischenphasen erkennbar ist, würde viel weniger gespielt und verkauft. Bei entsprechender Veranlagung besteht natürlich auch ein höheres Bedürfnis nach solchen Spielen und danach, mit ihnen eine zunehmend unerträgliche Realität zu verdrängen.
Mir ist die Spiele-(Sucht)-Affinität im Zusammenhang mit ADHS-Verhaltensmustern schon lange bekannt, und zwar nicht erst seit World of Warcraft, sondern schon den Egoshootern der 90er-Jahre (Wolfenstein 3D, Doom, Duke Nukem 3D usw.) wie auch gewaltfreien Spielen jener Zeit (z.B. Sim City-Reihe) und auch schon den vergleichsweise simplen Spielen der C64-Ära (80er-Jahre).
Ich schreibe hier nicht nur von ein paar Stunden Internetlektüre, sondern von konkreten, realen Erfahrungen mit ADHS-typischen Verhaltensproblemen. Wenn ich von ADHS rede, meine ich es gerade auch bei Erwachsenen oder älteren Jugendlichen, die ihr Verhalten eigentlich rational ändern wollen, aber eben mangels Selbstkontrolle nicht können, nicht jene, die als Kinder oder Jugendliche dazu gezwungen werden und die auf das Schwerfallen der Selbstkontrolle noch mit Trotz und Rebellion reagieren.
Meiner Meinung nach ist ADHS eine Veranlagung, die in hohem Maße Suchtverhalten (=schnelle, zwanghafte und unkontrollierbare Bedürfnisbefriedigung, trotz Wissen um Schädlichkeit) fördert, und man kann nicht alles aus der Welt schaffen oder mit rigiden Kontrollen versehen, was da potentiell Suchtobjekt wird. Anscheinend ist es ja auch förderlich für andere "leichte" Süchte (Kaufen, Sex, Internet ohne Spiele). Da würde schnell alles mit Schloss und Riegel und "Ab 18"-Aufklebern versehen, was irgendwie Spaß macht und nicht erst schwer erarbeitet werden muss.
Bei schweren Süchten mit unmittelbaren Schadfolgen (Gesundheit, direkter finanzieller Schaden) ist das noch verständlich, etwa harten Drogen, Alkohol, oder "Glücks"spiel. Aber Computerspiele verursachen als solche keine Gesundheitsschäden, es gehen keine Unsummen für Suchtmittel drauf, es gibt keine Beschaffungskriminalität und es werden auch keine kriminellen Milieus dadurch finanziert. Der Schaden, der mit der Computerspiel-Sucht entsteht, kommt durch die Vernachlässigung der unangenehmen Pflichten in der Realität, schlimmsten Falls durch das Aufgeben von Schule, Ausbildung und Beruf.
Als Gegenpol zu Suchtverhalten (fehlende Selbstunterdrückung) muss man aber bei ADHS auch die mangelhafte Selbstkontrolle beim Initiieren von unangenehmen Handlungen (z.B. Hausaufgaben, Steuererklärung, langwierige Formalitäten) sehen, und die ist auch bei Leuten vorhanden, die kein Suchtverhalten zeigen oder schon lange "clean" sind. Solche Sachen fallen dann nicht mehr nur schwer, sondern sind eine fürchterliche Quälerei und können auch bei vorhandenem, rationalem Willen oftmals nicht oder nur mangelhaft erledigt werden.
Nun gibt es aber gerade bei ADHS vielversprechende medikamentöse Behandlungsmethoden (Methylphenidat, diverse andere), die aber auch wiederum häufig kritisiert oder gar abgelehnt werden, bis hin zur Leugnung des ADHS an sich.
Es gibt da offenbar einen regelrechten Glaubenskrieg, wobei ein Teil der Kritik darauf abzielt, ADHSlern ein Selbstverschulden anzuhängen oder Medien, inkl. Computerspiele, wesentlich dafür verantwortlich zu machen. Sie sollen nicht einfach mit Tabletten ihr Verhalten korrigieren können, sondern entweder damit leben müssen oder aber sie nur in langwierigem und im Erfolg zweifelhaftem Training überwinden.
Manche Argumentationen von ADHS-Kritikern, wie das Herausstellen seltener Nebenwirkungen oder der Vergleich von ADHS-Medikamenten mit Rauschdrogen, erinnert an die Argumente von esoterischen Impfgegnern und Krebsscharlatanen, denn es gibt Risiken beim Impfen (die aber vom Nutzen mehr als aufgewogen werden), und manche Krebsmedikamente (Cytostatika) sind chemisch mit dem Senfgas des 1.Weltkriegs verwandt, wie auch ADHS-Mittel mit "Speed" (trotzdem haben sie nicht annähernd deren Gefahrenpotential - sachgemäß eingenommenes Methylphenidat hat keine Suchtwirkung).
Ich meine, dass, wer ADHS-typisches Fehlverhalten bei sich sieht und dies korrigieren will, aus eigener Kraft aber nicht korrigieren kann, leichter an eine gute ADHS-Behandlung kommen sollte, was gerade auch für Erwachsene wichtig ist. Das immer wieder behauptete Gegenargument, Kinder würden mit ADHS-Pillen gegen ihren Willen ruhig gestellt, kann bei Erwachsenen ja nicht mehr gelten.
Damit könnte man, wie ich vermute, auch Computersucht (Internet, Spiele, Chats usw.) im Sinne der Betroffenen behandeln, ohne sie mit der aufgrund ihrer Krankheit fehlenden Selbstkontrolle zu überfordern (die wird ja durch die Medikamente erst wieder möglich). Sie können es dann wahrscheinlich ohne Totalentzug schaffen und ihre Spiele in Maßen spielen, dafür die Notwendigkeiten des Alltags erledigen, ohne durch unüberwindbare Aversion daran gehindert zu sein. Und auch die ganzen anderen ADHS-Probleme ließen sich dann wohl viel einfacher und effizienter lösen als durch horrendes, beinhartes Training jahrelang.
Beschränkungen bei Spielen (oder auch anderen Medien) sollten auf das absolut notwendige Minimum beschränkt werden. Und gegen sittlich-normative Zensur (z.B. gegen "Killerspiele") bin ich ein radikaler Gegner; die individuelle Freiheit in einer privaten Fantasiewelt muss absoluten Vorrang vor gesellschaftlichen Moral- und Normvorgaben haben, egal, wie brutal oder pervers die Darstellungen sind! Vielleicht lässt sich ja das Computerspielsucht-Problem, das im Gegensatz zum "Gewaltproblem" bei Computerspielen ernst zu nehmen ist und sich nicht nur um abstrakte Normen und Geschmacksurteile dreht, durch verbesserte ADHS-Behandlung verringern. Doch die typischen ADHS-Medikamente sind immer noch nicht für Erwachsene zugelassen, obwohl ihre Wirksamkeit offenkundig bestätigt ist.
Am Rande möchte ich noch den Göttinger Professor Gerald Hüther erwähnen, der sich einerseits als Computerspielgegner profiliert (und auch den unsäglichen "Kölner Aufruf gegen Computergewalt" mit unterschrieben hat), andererseits aber auch in der ADHS-Forschung Positionen vertritt, die viel kritisiert werden. Aufgrund der dynamischen Hirnentwicklung behauptet er, man solle hauptsächlich auf frühkindliche Prävention setzen und dabei die Kinder auch von Medien fernhalten. Insbesondere zeigt er eine starke Abneigung gegen medikamentöse ADHS-Therapien. Die genetische Prädisposition für ADHS hält er nur für einen mäßig bedeutsamen Bestandteil der Ausformung des ADHS-Krankheitsbildes.
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| 1 | |  Name: | Doro Böhm
(durboehm@arcor.de)
| | Datum: | So 17 Aug 2008 09:21:10 CEST | | Betreff: | AD(H)S ist ein Kernfaktor von Suchtverhalten - nicht nur der PC-Sucht sondern jeder Sucht | | | Meiner Meinung nach hatte der TV-Beitrag "Spielen, spielen, spielen" (ARD, 12.8., 22:45) vor allem die Schwäche, dass er die Gefahr beim Videospiel und nicht bei den Personen sah. Wer süchtig wird, hat suchterzeugende Faktoren seiner Persönlichkeit, und das hat in der Tat mit AD(H)S zu tun. PC-Spielsucht ist insofern noch eine weniger schädliche Variante, als sie nicht primäre Schäden anrichtet (im Gegensatz zu Substanzenabhängigkeit oder auch Glücksspiel- und Kaufsucht). PC-Spielsucht ist (wie jede andere Sucht) auf Hirnebene eine "Dopaminkiste", der PC-Spieler aktiviert sein Hirn durch "Thrill". Im Normalfall soll das Hirn sowieso aktiviert sein, aber bei "Thrill-Süchtigen" ist dies im Alltag nur reduziert der Fall, der Input reicht ihnen nicht, weswegen sie ständig intuitiv auf der Suche nach Aktivatoren sind. In Zwangssituationen wie der Schule sind es dann Verhaltensweisen wie "Doodelings" malen, Stuhl kippeln oder Nägelbeißen, mit denen das Hirn gewissermaßen am Laufen gehalten wird. Und weil das oft nicht reicht (hier wäre auch das Plädoyer für andere Schulformen), zappen die Betroffenen häufig weg und haben dann das manifeste Aufmerksamkeitslenkungsproblem, was sich erheblich auf die Schulleistung auswirken kann (Methylphenidat(Ritalin, etc.) reduziert diesen Effekt). Was man allerdings für die moderne Welt daraus schließen sollte, dass ca. 5% aller Menschen persönlichkeitsimmanent ein hohes bis erhebliches Suchtpotential besitzen, muss offen bleiben. Wenn man evolutionär-schnoddrig ist, könnte man auch sagen, dass sich hier halt auf lange Sicht Herr Darwin auswirken wird, und dass erhöhte Impulsivität eben teilweise ein Auslesefaktor darstellt, der sich innerhalb des Kollektivs weiter reduzieren wird.... Pech für Betroffene. Mein Lösungsansatz wäre, diesen Faktor viel früher zu identifizieren und beachten. Wenn sich regulative Probleme andeuten (Schreikinder, starke Schlafstörungen, Hyperaktivität, häufiges Verträumtsein), ggf. Medikation (aller Beteiligter), weil - z.B. wenn Eltern selbst betroffen sind, was natürlich sehr häufig der Fall ist - das (beidseitige) Selbstregulationsdefizit in schwerwiegenden Beziehungsproblemen münden kann (Stichwort: Wut auf einen häufig (und scheinbar grundlos) schreienden Säugling, starke Frustration und Verhaltensentgleisungen wegen eines heftig trotzenden Kleinkinds, stramme Abwertung eines PC-Pubertisten, der nie ein Buch anrührt). Außerdem ist es wichtig, besondere Bedürfnisse (Thrill- oder Bewegungsbedarf) und andere Eigenschaften (Hampeligkeit, Baseligkeit, Vergesslichkeit, Umtriebigkeit, Nägelkauen, etc.) nicht chronisch mit Negativ- und Entgleisungsverhalten (Nörgeln, Schimpfen, Moralsieren, Appelieren, Strafen) zu quittieren. Weiterhin sollte ein solches Kind nicht "weltanschaulich in die Mangel genommen" werden (durch Eltern, die ihren bildungsbürgerlichen Buch-Idealisierungsansatz abdampfen). Dies alles liefe auf einen Kurs zwischen Anerkennung des Persönlichkeitsprofils mit großzügigen, aber an den Eckpfeilern festen Grenzen, hinaus, sowie ggf. eine medikamentöse Verminderung des Dopaminmangels im Frontalhirn. Auch verhaltenstherapeutisch basierte Erziehungskurse für Eltern sollten Standard sein und allen gratis angeboten werden. Lehrer müssten grundsätzlich in ihrer Ausbildung nachlegen, damit auch sie sachgerecht und wertschätzend handeln und nicht mehr, wie es manche immer noch tun, auf Schimpfen, Bloßstellen und Sarkasmus im Umgang mit Lern-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen zurückgreifen.
Ich glaube, dass Sendungen wie "Spielen, spielen, spielen", indem sie den Fokus auf das Spiel bzw. den PC und nicht auf die Person legen, die wesentlichen Aspekte zur Vorbeugung der im Film geschilderten tragischen Fälle vernachlässigen.
Grüße an alle, Doro Böhm
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